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Wir setzen uns für Graupapageien ein

Die Aspergillose ist eine lange bekannte Luftwegserkrankung von in Gefangenschaft gehaltenen Greifvögeln (bereits im Mittelalter sprach man von den "Falken mit dem kurzen Atem", die sich dann nicht zur Jagd eigneten).

Neben den oft betroffenen Falken sind  weltweit häufig auch Graupapageien betroffen.

Die Aspergillose entsteht durch Einatmen (Inhalation) von überall vorkommenden (ubiquitär) Schimmelpilzsporen der Gattung Aspergillus. Die Krankheit ist nicht ansteckend.

Sie zeigt sich zum einen in einer aktuten Form, die schnell zum Tode führt und oft durch eine plötzlich sehr hohe Pilzsporenbelastung verursacht wird. Es gibt wissenschaftliche Studien, die die Größe von Sporeninhalationen  gemessen haben, bei denen ein gesunder Vogel akut an Aspergillose erkrankt und schnell verstirbt. Bei Falken gibt es u.a. Berichte, dass feucht gewordenes und dadurch verrottendes organisches Einstreumaterial (z. B. feuchtes Heu oder Baumhäcksel) zur aktuten Aspergillose geführt hat. Daher wird in der wissenschaftlichen Literatur eindringlich vor derartigen Bodenbelägen (z. B. die beliebten Buchenholzschnitzel u.a.) bei tropischen Papageien gewarnt. Nur an der Korkeichenrinde können sich die Pilzsporen wohl nicht vermehren.

Die sehr viel häufigeren chronischen Verläufe  bei den Graupapageien werden in der Wissenschaft als multifaktorielles Geschehen betrachtet. Es  muss also einiges zusammenkommen, damit es zur Aspergillose kommt. Dazu zählen besonders Haltungs- und Fütterungsfehler, die das Immunsystem der Vögel beeinträchtigen, also eigentlich das Allgenmeinbefinden beeinträchtigen. Dies wird jedoch bei aktiven Vögeln, wie Falken, die zur Jagd verwendet werden, sehr viel früher auffallen, als bei Graupapageien, die eingesperrt sind und nur wenig oder gar keine Flüge unternehmen, weil sie nicht tiergerecht sozialisiert und gehalten werden. In ihrer afrikanischen Heimat fliegen die Graupapageien täglich viele Kilometer zwischen ihren Schlafplätzen und Futterstellen. So verläuft bei den in Gefangenschaft gehaltenen Grauen eine chronische Aspergillose schleichender und oft lange Zeit latent. Auffällig wird sie erst in einem fortgeschrittenen Stadium.  Angepriesene Vorsorgeuntersuchungen bringen bezüglich der Früherkennung der Pilzerkrankung nichts.

Die überaus wichtige Bedeutung eines intakten Immunsystemes für die Entstehung

und den Verlauf der Aspergillose (und natürlich aller anderen Erkrankungen) ist durch viele Versuche an Vögeln belegt. So sind Therapien mit Kortison, mit Antibiotika, aber z. B. Auch eine bestehende Circovirenerkrankung PBFD oft ungünstige Trigger (durch Schwächung des Immunsystemes).

Zumindest bei Falken sind auch sog. Stressfaktoren, die das Immunsystem schwächen, gut untersucht. So wurde schon ein Transport in einem nicht gewohnten Käfig, ein Besitzerwechsel oder der Wechsel der Umgebung als Stressindikator belegt. Unentdeckte Vergiftungen (schlechter Zinkdraht) und Schädigungen der Lungen durch Rauch und andere Substanzen, nicht angemessene Ernährung (Mangelernährung), schlecht belüftete Umgebung, zu niedrige relative Luftfeuchte gehören ebenso zu den ungünstigen Faktoren, wie auch die Anwesenheit von Kot-Urin-Resten im Aufenthaltsbereich der Vögel.

Die Aspergillose läßt sich, obwohl schon lange bekannt, nach wie vor nur mit einer Kombination von speziellen Untersuchungsmethoden diagnostizieren. Dabei sind die aussagekräftigsten die Endoskopie (in Narkose, am besten als sog. Luftsacknarkose) und hochwertige digitale Röntgenaufnahmen (ohne Narkose). Untersuchungen des Blutes und Abstriche sind wenig hilfreich.

Wenn es um die Diagnose und Therapie der Aspergillose geht, spielt die Kompetenz des behandelnden Vogel-Tierarztes eine überaus wichtige Rolle.

Der wichtigste Schritt zur erfolgreichen Therapie der Aspergillose ist es, neben der medikamentösen Therapie mit Vorikonazol ganz schnell die Fütterungs- und  Haltungsbedingungen zu verbessern. Ansonsten ist die medikamentöse Therapie meist zunächst erfolgreich, aber dieser Zustand ist nicht von langer Dauer. Leider führt jede Remission (Wiederaufbrechen) der Aspergillose den Grauen näher zum qualvollen Erstickungstod. Atemnot als Folge der Aspergillose ist eine der schlimmsten Beeinträchtigungen, die Lebenwesen erleiden können.


(Einen Überblick über den Sinn und Unsinn eingesetzter Medikamente bei der Aspergillose gibt es z.B. in „Leitsymptome bei Papageien und Sittichen“ von Michael Pees, ISBN 978-3-8304-1084-3, Seite 36 ff und auf der Webseite der Graupapageien-Stiftung.)